Herzsportgruppe – Sport für Herzpatienten

dr  medical  Ingo Schmitz-Urban

Beitrag von Dr. med. Ingo Schmitz-Urban, zuletzt aktualisiert am 15. November 2022

Dr. med. Ingo Schmitz-Urban

Beitrag von Dr. med. Ingo Schmitz-Urban, zuletzt aktualisiert am 15. November 2022

Was genau ist Herzsport? Wie sieht eine typische Herzsportgruppe aus? Wer kann am Herzsport teilnehmen? All dies klären wir im folgenden Artikel!

Was versteht man unter einer Herzsportgruppe?

Herzsport (auch Koronarsport oder Coronarsport genannt) gehört zu dem Rehasport und ist speziell für kardiovaskulär erkrankte Patienten zugeschnitten.

Die Herzsportgruppe wird von einem speziell geschulten Übungsleiter geleitet und durch einen Arzt überwacht. Der Arzt berät die Teilnehmer und den Übungsleiter in Hinblick auf die besonderen Erfordernisse eines jeden Patienten und kann im Notfall sofort eingreifen. Üblicherweise findet die Übungsgruppe ein mal wöchentlich statt.

Welche Ziele sollen mittels Herzsport erreicht werden?

Der Herzsport verfolgt verschiedene Ziele auf körperlicher, aber auch psychischer Ebene:

  1. Aufbau der persönlichen Belastbarkeit durch leistungsadaptiertes Training
  2. Stärkung des Selbst- und Körperbewusstseins
  3. Schulung der Koordination
  4. Wissensvertiefung in Ernährungs- und Gesundheitsfragen
  5. Abbau von Ängsten

Insgesamt soll auch ein übertriebenes Schonverhalten des Patienten vermieden und das allgemeine Wohlbefinden verbessert werden. Nicht zuletzt empfinden viele Teilnehmer die Stärkung des sozialen Netzes und die regelmäßigen Treffen in der Gruppe als sehr angenehm.

Wie sieht eine typische Herzsporteinheit aus?

Eine Herzsportstunde dauert mindestens 60 Minuten und umfasst Übungen zur Stärkung der Kraft, Ausdauer und Koordination.

Wichtiges Instrument während der Sporteinheit ist das Messen des Pulses: so wird meistens zu Beginn der Stunde, während der Belastung und am Ende der persönliche Puls gemessen und dokumentiert. Häufig werden zur Erleichterung der Pulsermittlung Hilfsmittel wie Pulsuhren, Activity-Tracker oder Pulsoximeter genutzt.

Die Koordinationsübungen in der Stunde können dabei z.B. wie folgt aussehen:

Welche Erkrankungen erlauben die Teilnahme am Herzsport?

Typische Erkrankungen, die zur Teilnahme am Herzsport von den Krankenkassen anerkannt werden, sind u.a.:

  • Koronare Herzerkrankung
    • stabile Angina pectoris
    • nach Herzinfarkt
    • nach Bypass-OP oder Stentimplantation
  • nach Myokarditis
  • Herzfehler/ Herzklappenfehler
  • Kardiomyopathie
  • Schrittmacher- oder ICD-Implantation (Defibrillator)
  • pAVK (“Schaufensterkrankheit”)

Auch Erkrankungen der Lunge wie eine COPD oder Lungenemphysem werden von den Krankenkassen anerkannt. Manch ein Teilnehmer leidet auch unter einer Schlafapnoe, die zu erhöhtem Blutdruck und damit Herz-/Kreislauferkrankungen führen kann.

Wie kann man an der Herzsportgruppe teilnehmen?

Eine Teilnahme an der Herzsportgruppe wird durch die Verordnung durch den behandelnden Arzt (meist Kardiologe oder Hausarzt) auf dem Formblatt 56 ermöglicht (Muster auf KBV.de). Dieses Formblatt hält der Arzt vor und verordnet die entsprechende Teilnahme für z.B. 45 oder 90 Einheiten am Koronarsport. Das Formblatt 56 muss dann im Anschluss durch den Patienten der Krankenkasse vorgelegt werden und von dieser genehmigt werden.

In der ärztlichen Untersuchung wird auch eine belastungsergometrische Messung (Belastungs-EKG) durchgeführt. Dabei wird mittels steigender Belastung auf einem Ergometer mittels EKG die maximale Belastbarkeit in Watt und die maximale Herzfrequenz ermitteln. Aus diesen Werten kann der Arzt dann die empfohlene Belastung und Herzfrequenz für das Training ermitteln.

Mit der durch die Krankenkasse genehmigten Verordnung, dem Belastungs-EKG und ärztlichem Bericht (alternativ Reha-/ Krankenhausentlassungsbericht) kann der Patient dann bei der Herzsportgruppe vorstellig werden.

Wie finde ich eine Herzsportgruppe in meinem Wohnort?

In Deutschland gibt es ca. 6000 Herzsportgruppen und werden meist von lokalen Sportvereinen angeboten. Sie können Kontaktadressen z.B. bei der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen (DGPR) erhalten: DGPR Herzgruppen nach Bundesländern

Gibt es Herzsport Übungen für zuhause?

Der große Vorteil von professionellen Herzsportgruppen ist die professionelle Anleitung durch einen zertifizierten Trainer und die Betreuung durch einen Arzt. So ist gewährleistet, dass jeder in seinem persönlichen Leistungsbereich trainiert. Gleichzeitig ist durch die ärztliche Überwachung und Beratung ein kompetenter Ansprechpartner in medizinischen Fragen vor Ort.

Wenn du zuhause Herzsport Übungen durchführen willst, solltest du zunächst Rücksprache mit deinem Arzt halten.

Als Maxime gilt: Du solltest dich körperlich nicht überfordern, die Belastung sollte an deinen Gesundheitsstatus angepasst sein.

Moderate Gymnastikübungen fördern die Beweglichkeit, Koordination und Kraft. Außerdem ist ein Gehtraining empfehlenswert, also regelmäßige Spaziergänge. Auch moderate Haus- oder Gartenarbeit ist ein Training, dass deinen Körper fordert. So kannst du dein Herz-/Kreislaufsystem im Alltag rücksichtsvoll trainieren.

Das Fazit vom Fitnessdoc

Herzsportgruppen sind ein wichtiges Instrument, um nach Auftreten einer Herzerkrankung eine weitere Verschlechterung zu vermeiden. Informiere dich am Besten bei deinem Hausarzt oder Kardiologen über das Thema.

Dr. med. Ingo SChmitz-Urban

Arzt und Ernährungsmediziner

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