Sprossen und Microgreens: Warum die „Baby-Pflanzen“ wahre Superfoods sind

Beitrag von Dr. med. Ingo Schmitz-Urban, zuletzt aktualisiert am 23. Januar 2026

Beitrag von Dr. med. Ingo Schmitz-Urban, zuletzt aktualisiert am 23. Januar 2026

Hast du dich schon mal gefragt, warum in hippen Cafés plötzlich überall Kresse und Co. auf deiner Stulle liegen? Das ist keine bloße Deko. Das ist purer Treibstoff für deine Zellen. Wir sprechen heute über Sprossen und Microgreens - die vielleicht unterschätztesten Lebensmittel überhaupt.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Klein, aber oho: Microgreens enthalten bis zu 40-mal mehr Vitamine und Antioxidantien als ausgewachsenes Gemüse.
  • Zellschutz-Booster: Besonders Brokkolisprossen liefern Sulforaphan, einen Stoff, der deine körpereigene Entgiftung aktiviert.
  • Der Unterschied: Sprossen isst du komplett (mit Wurzel), Microgreens schneidest du wie Kresse ab.
  • Hygiene ist Pflicht: Da Sprossen Feuchtigkeit lieben, fühlen sich auch Bakterien wohl - gründliches Waschen oder kurzes Blanchieren ist wichtig.
  • Einfach integrierbar: Perfekt als Topping für Salate, Rührei oder im Smoothie.

Als Arzt bin ich immer auf der Suche nach Methoden, wie du mit minimalem Aufwand das Maximum für deine Gesundheit herausholen kannst. Und genau hier kommen diese "Baby-Pflanzen" ins Spiel.

Viele der Menschen, mit denen ich spreche, fragen mich: "Ingo, ist das nicht nur wieder so ein überteuerter Hype?" Meine Antwort: Nein. Die Wissenschaft dahinter ist absolut faszinierend.

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Sprossen und Microgreens?

Bevor wir in die gesundheitlichen Details gehen, lass uns kurz Begriffe klären, damit du im Supermarkt oder Gartencenter genau weißt, was du kaufst.

  • Sprossen (Keimlinge): Das sind die ganz jungen Pflanzen, also wirkliche Baby-Pfanzen. Sie wachsen meist ohne Erde, nur mit Wasser und oft im Dunkeln. Du isst hier alles: den Samen, die kleine Wurzel und den Stängel. Sie sind meist schon nach 2 bis 4 Tagen fertig.
  • Microgreens (Grünkraut): Das ist die nächste Stufe, wenn aus den Babies Teenager werden. Sie wachsen in Erde oder auf Matten und brauchen Licht. Sie bilden Chlorophyll (deswegen sind sie grün) und erste kleine Blättchen. Hier isst du nur das, was oberhalb der Erde wächst.

Warum "Babys" stärker sind als "Erwachsene"

Stell dir vor, du hast einen Rucksack gepackt für eine lange Reise. In diesem Rucksack muss alles drin sein, was du zum Überleben brauchst, bis du den ersten Supermarkt erreichst. Genau so funktioniert ein Samenkorn. Es trägt die gesamte Energie und alle Baustoffe in sich, um eine große Pflanze zu werden. Wenn dieses Korn keimt, explodiert diese Energie förmlich.

Die Wissenschaft bestätigt das eindrucksvoll: Studien zeigen, dass Microgreens bis zu 40-mal mehr Nährstoffe enthalten können als die ausgewachsene Pflanze [1]. Wir reden hier von einer massiven Konzentration an Vitamin C, Vitamin E und Beta-Carotin. Du müsstest also riesige Mengen Rotkohl essen, um auf die gleiche Nährstoffdichte zu kommen wie bei einer Handvoll Rotkohl-Microgreens.

Der "Star" unter den Sprossen: Sulforaphan

Wenn ich ein einziges Gemüse auf eine einsame Insel mitnehmen dürfte, wären es Brokkolisprossen. Warum? Wegen Sulforaphan.

Das ist ein sogenanntes Senföl-Glykosid. Wenn du die Sprosse kaust, entsteht dieser Stoff und wirkt in deinem Körper wie ein Weckruf für deine Zellen. Sulforaphan aktiviert den sogenannten Nrf2-Signalweg. [2] Klingt kompliziert, ist aber einfach: Es ist der Hauptschalter für die körpereigene Entgiftung und wirkt stark antioxidativ.

Die Forschung zeigt, dass Brokkolisprossen 20 bis 50 mal mehr von der Vorstufe dieses Stoffes enthalten als der reife Brokkoli-Kopf [3]. Das ist Medizin auf dem Teller.

Tipp: Natürlich enthält auch der ausgewachsene Brokkoli Sulforaphan, beziehungsweise Vorstufen davon. Das eigentliche Sulforaphan entsteht beim Kauen oder Kleinschneiden und das auch erst nach einer gewissen Zeit. Konkret solltest du 30-40 Minuten warten, wenn du Brokkoli geschnitten hast, bevor du ihn kochst (oder du genießt in roh, z.B. im Brokkoli-Salat) - so genießt du die Vorteile von dem Zellschutzmittel!

Ein wichtiges Wort zur Hygiene

So begeistert ich von der Wirkung bin, so ernst nehme ich auch die Risiken. Sprossen lieben es warm und feucht - genau wie Bakterien. Das Robert Koch-Institut und die EFSA warnen immer wieder vor Keimen auf rohen Sprossen [4]. Hier gilt:

  1. Selber ziehen ist sicherer: Wenn du sauber arbeitest, hast du die Kontrolle. Wie das geht, habe ich dir unten zusammengefasst.
  2. Gründlich waschen: Spüle gekaufte oder selbstgezogene Sprossen immer sehr gründlich ab.
  3. Risikogruppen aufgepasst: Schwangere, kleine Kinder oder Menschen mit schwachem Immunsystem sollten Sprossen sicherheitshalber kurz blanchieren (kurz in kochendes Wasser tauchen). Das tötet zwar ein paar Vitamine, aber eben auch die Bakterien.

Deine Anleitung: So züchtest du deine Sprossen und Mircogreens selbst

Keine Sorge, du brauchst dafür weder einen Garten noch einen "grünen Daumen". Tatsächlich ist Sprossenziehen einfacher als Kochen. Es gibt zwei Hauptmethoden, je nachdem, was du ernten möchtest.

Hier ist der "Fahrplan", wie du deine Fensterbank in einen Vitalstoff-Garten verwandelst.

Methode 1: Die Glas-Methode (Für Sprossen)

Ideal für: Mungobohnen, Alfalfa, Linsen, Radieschen, Brokkoli.

Bei Sprossen essen wir alles mit - auch die Wurzel. Da sie keine Erde brauchen, ist ein Einmachglas oder Sprossenglas die sauberste Lösung.

Das brauchst du:

  • Ein großes Einmachglas (oder ein spezielles Keimglas mit Sieb-Deckel).
  • Ein Stück Mullbinde und ein Gummiband (falls du keinen Sieb-Deckel hast).
  • Bio-Keimsaat (bitte keine normalen Gartensamen, diese sind oft chemisch behandelt!).

So geht’s:

  1. Einweichen: Gib 1-2 Esslöffel Samen in das Glas und fülle es mit Wasser. Lass die Samen über Nacht (ca. 8-12 Stunden) einweichen. Das knackt die Schale und aktiviert die Enzyme.
  2. Spülen: Gieße das Wasser morgens ab, spüle die Samen einmal mit frischem Wasser durch und gieße auch dieses restlos ab. Das Glas sollte jetzt feucht, aber nicht nass sein.
  3. Die Schräglage: Stelle das Glas schräg auf den Kopf (z. B. in eine Abtropfschale), damit überschüssiges Wasser abfließen kann und Luft an die Samen kommt.
  4. Tägliches Spülen: Spüle die Sprossen 2x täglich (morgens und abends) gründlich mit Wasser und stelle sie wieder schräg hin. Das verhindert Schimmel und versorgt die Keimlinge mit Wasser.
  5. Ernte: Nach 3-6 Tagen (je nach Sorte) ist dein Superfood fertig.

Tipp vom Doc: Sind das feine Härchen an der Wurzel? Keine Panik, das ist meist kein Schimmel, sondern sogenannte "Faserwurzeln". Sie entstehen oft bei Radieschen oder Brokkoli, wenn sie "Durst" haben. Riechen die Sprossen frisch und nicht modrig, ist alles in Ordnung

Methode 2: Die Schalen-Methode (Für Microgreens)

Ideal für: Kresse, Rucola, Senf, Sonnenblumenkerne, Erbsen.

Microgreens wollen wachsen, bis sie grün werden (Chlorophyll bilden). Dafür brauchen sie ein Substrat, in dem sie sich festhalten können.

Das brauchst du:

  • Eine flache Schale (z. B. Auflaufform oder Anzuchtschale).
  • Gute Anzuchterde oder Kokosfaser-Matten.
  • Eine Sprühflasche mit Wasser.

So geht’s:

  1. Vorbereitung: Fülle die Schale ca. 2-3 cm hoch mit Erde oder lege die befeuchtete Matte hinein.
  2. Aussaat: Verteile die Samen dicht auf der Erde. Du darfst hier großzügig sein, spare nicht am Samen. Drücke sie leicht an.
  3. Befeuchten: Sprühe die Samen gut mit Wasser ein, sodass alles feucht ist.
  4. Abdecken (Dunkelphase): Decke die Schale für die ersten 2-3 Tage mit einem Teller oder Brettchen ab. Die Dunkelheit und der leichte Druck simulieren, dass der Samen "in der Erde" liegt. Das stärkt die Wurzeln.
  5. Ans Licht: Sobald sich kleine Keimlinge zeigen, nimm den Deckel ab und stelle die Schale ans Licht (Fensterbank). Jetzt werden sie grün!
  6. Gießen: Halte die Erde täglich feucht (am besten mit der Sprühflasche oder vorsichtig gießen), aber vermeide Staunässe.
  7. Ernte: Nach ca. 7-14 Tagen, wenn sich das erste Blattpaar nach den Keimblättern bildet, schneidest du sie knapp über der Erde ab.

Und was mache ich jetzt damit? (Rezeptideen)

Du musst jetzt nicht zum Gärtner werden, um zu profitieren. Fang klein an.

  • Im Smoothie: Eine Handvoll Microgreens in deinen Green Smoothie - du schmeckst es kaum, aber dein Körper dankt es dir.
  • Als Topping: Egal ob auf dem Rührei, im Quark oder über dem Wintersalat. Es bringt Würze und Crunch.
  • Auf dem Brot: Statt der Scheibe Gurke einfach mal eine Handvoll Radieschen-Sprossen auf das Käsebrot.

Übrigens: Weitere Beiträge über gesunde Ernährung, Abnehmen, Fitness und Co. findest du auf fitnessdoc.net!

Das Fazit vom Fitnessdoc

Sprossen und Microgreens sind für mich das Paradebeispiel für "Small changes, big impact". Du brauchst keine teuren Nahrungsergänzungsmittel, wenn du dir diese Nährstoffbomben einfach auf die Fensterbank stellen kannst.

Die Natur liefert uns hier ein Paket, das keine Pille der Welt so effizient nachbauen kann. Probier es aus und gib deinem Körper die Bausteine, die er für ein langes, gesundes Leben braucht.

Worauf wartest du noch? Ab in den Gartenhandel, Samen kaufen und loslegen!

Dr. med. Ingo SChmitz-Urban

Arzt | Tätigkeitsschwerpunkt Ernährungsmedizin

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