Wasserbedarf: Wie viel Wasser am Tag benötigen wir wirklich?

Beitrag von Dr. med. Ingo Schmitz-Urban, zuletzt aktualisiert am 8. Januar 2026

Beitrag von Dr. med. Ingo Schmitz-Urban, zuletzt aktualisiert am 8. Januar 2026

Kennst du das? Du sitzt seit Stunden am Schreibtisch, die Excel-Tabelle flimmert vor den Augen, und plötzlich fühlst du dich müde, gereizt und unkonzentriert. Der erste Gedanke: "Ich brauche Kaffee" oder "Ich brauche Zucker". Aber wann hast du das letzte Mal ein Glas Wasser getrunken?

Das Wichtigste in Kürze:

  • Der 2-Liter-Mythos: Die starre "8-Gläser-Regel" ist veraltet. Dein Bedarf ist so individuell wie dein Fingerabdruck.
  • Gehirn-Doping: Schon 1–2 % Flüssigkeitsverlust senken deine Konzentration und erhöhen die Fehlerquote im Job.
  • Stress-Bremse: Wasser federt deine Cortisol-Reaktion ab. Wer dehydriert ist, empfindet Stress körperlich stärker.
  • Rücken-TÜV: Deine Bandscheiben brauchen Wasser, um nachts zu regenerieren. Trinken schützt vor Rückenschmerzen.
  • Rechtzeitig trinken: Trinke bereits, bevor du Durst hast. Denn Durst ist ein Alarmsignal.

Wasserbedarf: Wie viel Wasser am Tag benötigen wir?

Kennst du das? Du sitzt seit Stunden am Schreibtisch, die Excel-Tabelle flimmert vor den Augen, und plötzlich fühlst du dich müde, gereizt und unkonzentriert. Der erste Gedanke: "Ich brauche Kaffee" oder "Ich brauche Zucker". Aber wann hast du das letzte Mal ein Glas Wasser getrunken?

In unserer modernen Arbeitswelt optimieren wir alles: Ergonomische Stühle, höhenverstellbare Schreibtische, Noise-Cancelling-Kopfhörer, Zeitmanagement-Apps. Doch eine simple biologische Wahrheit vergessen wir oft: Unser Körper besteht zum Großteil aus Wasser - und wenn wir zu wenig trinken, funktioniert unser Körper nicht richtig.

In meiner Arbeit treffe ich oft Menschen, die über Müdigkeit, "Brain Fog" oder Rückenschmerzen klagen. Eine Standardfrage in der Anamnese lautet dann: "Wie viel haben Sie heute getrunken?" In diesem Artikel wirst du endlich erfahren, was Fakt und was Mythos ist, wenn es um das Thema Trinken geht.

Mythos-Check: Was stimmt wirklich?

Bevor wir klären, wie viel Wasser am Tag du wirklich brauchst, müssen wir mit ein paar hartnäckigen Mythen aufräumen, die sich seit Jahrzehnten halten.

"Du musst jeden Tag 8 Gläser (2 Liter) Wasser trinken"

Dieser Rat geistert seit Mitte des 20. Jahrhunderts durch die Welt: Ihr Ursprung wird oft auf eine Empfehlung des US Food and Nutrition Board aus dem Jahr 1945 zurückgeführt, die besagte, dass Menschen etwa 2,5 Liter Wasser pro Tag benötigen. Der entscheidende Folgesatz -  "Der Großteil dieser Menge ist in zubereiteten Speisen enthalten" -  wurde jedoch in der öffentlichen Wahrnehmung oft ignoriert. Der Rat ist daher nicht per se falsch, aber wissenschaftlich unpräzise. Er ignoriert nämlich zwei entscheidende Faktoren:

  • Deine Nahrung: Etwa 20-25 % deiner Flüssigkeit nimmst du über Essen auf (Gurke, Apfel, Suppe). Auch im Stoffwechsel entsteht Wasser (Oxidationsprozesse).
  • Deine Individualität: Ein 90-kg-Athlet hat einen ganz anderen Bedarf als eine zierliche Person im klimatisierten Büro. Deswegen müssen auch Körpergewicht, Umgebungstemperatur und Aktivität einbezogen werden.

Die DGE empfiehlt übrigens mindestens 1,5 L / Tag [1]. Das sollte auch das Minimum sein, denn so entlastest du deine Nieren.

"Kaffee entzieht dem Körper Wasser"

Entwarnung für alle Kaffeeliebhaber! Dieser Mythos hält sich wacker, ist aber widerlegt. Koffein wirkt zwar leicht harntreibend, aber wenn du regelmäßig Kaffee trinkst, gewöhnt sich dein Körper daran (Toleranzeffekt). Dein Morgenkaffee besteht zu 98 % aus Wasser und zählt somit positiv zu deiner Flüssigkeitsbilanz. Wasser sollte deine Hauptquelle bleiben, aber der Kaffee ist kein Feind.

Wichtig hierbei ist natürlich auch ein gewisses Maß: Studien konnten bei maximal 3-4 Tassen Kaffee keine negativen Effekte zeigen, darüber hinaus kann es schon problematisch werden. Übertreibe es daher mit Kaffee bitte nicht.

"Trink erst, wenn du Durst hast"

Vorsicht bei diesem Ratschlag im Job-Kontext. Durst ist ein Warnsignal, kein Tankanzeiger. Wenn du Durst verspürst, fehlen dir oft schon 1–2 % Körperwasser. Studien zeigen: Genau in diesem Bereich sinkt bereits deine kognitive Leistung [2]. Du machst Flüchtigkeitsfehler und fühlst dich angestrengter. Wenn du im Flow bleiben willst, musst du vor dem Durst trinken.

Dein Gehirn auf dem Trockenen: Warum Trinken schlau macht

Dein Gehirn besteht zu etwa 73 % aus Wasser. Man kann es sich wie eine Dichtung vorstellen:  Ist sie feucht, ist sie flexibel. Ist sie trocken, wird sie spröde und funktioniert nicht mehr richtig.

Schon eine milde Dehydrierung kann im Alltag zu spürbaren Problemen führen:

  • Konzentrations-Crash: Aufgaben, die visuelle Aufmerksamkeit erfordern (z.B. Daten prüfen, lesen), fallen schwerer.
  • Stimmungstief: Interessanterweise reagiert unsere Laune extrem sensibel auf Wassermangel. Man wird schneller gereizt, fühlt sich müde oder bekommt Kopfschmerzen.
  • Decision Fatigue (Entscheidungsmüdigkeit): Dein Gehirn muss härter arbeiten, um die gleiche Leistung zu bringen. Das führt dazu, dass du dich am Nachmittag völlig ausgelaugt fühlst .

Das neue Stress-Wissen: Wasser als Cortisol-Puffer

Hier ist ein Fakt, den selbst viele Gesundheitsprofis noch nicht kennen: Es gibt eine direkte Verbindung zwischen deinem Wasserglas und deinem Stresslevel.

Aktuelle Forschungen aus dem Jahr 2025 zeigen, dass Dehydrierung die Ausschüttung von Cortisol (unserem Stresshormon) verstärkt [3]. Stell dir vor, du gehst in ein schwieriges Meeting. Wenn du dehydriert bist, reagiert dein Körper physiologisch gestresster auf die gleiche Situation als wenn du gut hydriert wärst. Dein Wasserglas ist also ein Schutzschild für deine Nerven. Trinken ist aktive Stressprävention!

Rückenschmerzen? Trink dich gesund!

"Sitzkrankheit" ist das neue Rauchen. Aber wusstest du, dass deine Bandscheiben nachts Durst haben? Deine Bandscheiben leben von Flüssigkeit. Tagsüber werden sie durch das Sitzen und Stehen wie ein Schwamm ausgedrückt (wir schrumpfen tatsächlich etwas). Nachts, im Liegen, saugen sie sich wieder mit Nährflüssigkeit voll - aber nur, wenn genug Wasser im Körper vorhanden ist.

Die Formel für einen gesunden Rücken: Hydratation + Bewegung = Gesunde Bandscheibe. Ohne Wasser bleiben die Puffer flach und spröde, was langfristig zu Problemen führen kann.

Praxis-Check: Wie viel Wasser am Tag ist nun genug?

Vergiss starre Regeln. Nutze stattdessen diese Faustformel für deinen Grundbedarf:

Körpergewicht (kg) x 25  ml = Trinkmenge pro Tag

Beispiel: Du wiegst 75 kg. 75 x 25 ml = 1.875 ml (1,75 Liter). 

Wichtig: Wenn du Sport treibst und schwitzt, musst du für jede halbe Stunde Training ca. 0,3 bis 0,5 Liter draufschlagen. Auch wenn dein Körper großer Hitze ausgesetzt ist, z.B. an einem heißen Sommertag, solltest du deutlich mehr trinken.

Was sollte ich trinken?

Ein Blick auf die Grafik zeigt schnell: Nicht alles, was flüssig ist, gehört in rauen Mengen in deinen Körper. Als Arzt unterscheide ich hier ganz klar zwischen Durstlöschern und Genussmitteln. Dein Ziel sollte sein, den Großteil deines Bedarfs aus der Basis der Pyramide zu decken.

Hier ist deine Navigationshilfe durch den Getränke-Dschungel:

  • Die ideale Basis (unten):Hier darfst du zugreifen. Wasser (Leitungswasser oder Mineralwasser) ist der Goldstandard – kalorienfrei, zahnfreundlich und der perfekte Lösungsvermittler für deinen Stoffwechsel. Auch ungzuckerte Kräuter- und Früchtetees gehören hierhin. Und ja, auch dein Kaffee (in Maßen, schwarz oder mit einem Schuss Milch) zählt dazu!
  • Die goldene Mitte (mittig):Hier ist Maßhalten angesagt. Fruchtsäfte klingen gesund, sind aber pure Zuckerbomben, die deinen Insulinspiegel Achterbahn fahren lassen. Wenn Saft, dann am Besten als Schorle im Verhältnis 1:3 (ein Teil Saft, drei Teile Wasser).Ein wichtiger ärztlicher Hinweis zur Milch: Milch ist physiologisch gesehen kein Getränk, sondern ein flüssiges Nahrungsmittel. Ein Glas Vollmilch hat fast so viele Kalorien wie eine kleine Mahlzeit. Genieße sie also bewusst, nicht gegen den Durst.
  • Bitte selten (ganz oben): Softdrinks, Energy-Drinks und Alkohol sind reine Genussmittel. Sie liefern "leere Kalorien" ohne Sättigungseffekt. Betrachte eine Cola wie ein Dessert: Mal okay, aber kein Grundnahrungsmittel.


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Mein Tipp: Wenn dir Wasser pur zu langweilig ist, "pimp" es mit Zitrone, Minze oder Beeren (Infused Water). So hast du Geschmack ohne die Zucker-Falle.


DR. MED. INGO SCHMITZ-URBAN

ARZT | TÄTIGKEITSSCHWERPUNKT ERNÄHRUNGSMEDIZIN

Wann und wie viel sollte man trinken?

Der Körper kann nur eine gewisse Menge pro Zeit verarbeiten: Der Grund ist die begrenzte Aufnahmefähigkeit des Darms - dieser kann pro Stunde maximal 750-800 ml Wasser aufnehmen, alles darüber hinaus wird wieder ausgeschieden. Es bring also wenig, 2 Liter in einer Stunde zu trinken. Viel mehr sollte die Trinkmenge über viele kleine Portionen über den Tag vertreilt aufgenommmen werden.

Eine Besonderheit ist am Morgen: Hier ist dein Körper durch den Schlaf (und entsprechend fehlendes Trinken) etwas dehydriert, weswegen es sinnvoll ist, morgens erstmal 300-500 ml Wasser zu trinken.

Der einfachste Test der Welt: Urin-Farbe

Wenn du wissen willst, ob du heute genug getrunken hast, kommt hier ein einfacher Test: Schau in die Toilettenschüssel (ernsthaft!).

  • Hellgelb / Strohgelb: Perfekt. Weiter so!
  • Dunkelgelb / Bernstein: Du bist im Defizit. Trink sofort ein großes Glas Wasser.
  • Farblos: Du hast es etwas zu gut gemeint, fahr einen Gang runter.

Hier findest du weitere Details zur Einschätzung deiner Urinfarbe:

4 Hacks, um im Alltag mehr zu trinken

Wissen ist das eine, Tun das andere. Wir scheitern oft nicht am Willen, sondern an der Gewohnheit. Hier sind Tricks aus der Verhaltenspsychologie:

  1. Sichtbarkeit siegt: Stell die Wasserflasche auf den Schreibtisch, direkt in dein Sichtfeld. Nicht auf den Boden, nicht in die Küche. Aus den Augen, aus dem Sinn. Sie soll immer zu sehen sein, so steigen die Chancen, dass du zugreifst.
  2. Habit Stacking: Verknüpfe das Trinken mit einer festen Tätigkeit.
    • "Wenn ich aufstehe, trinke ich ein Glas Wasser / mache ich mir einen Tee."
    • "Nach jedem Toilettengang fülle ich mein Glas auf."
  3. Eat your Water: Du musst nicht nur Wasser trinken. Ein Bananen-Kefir-Smoothie ist eine hervorragende Möglichkeit, Flüssigkeit mit wertvollen Nährstoffen zu kombinieren. Auch Gurkensticks oder Wassermelone sind genial.
  4. Immer voll: Auf dem Tisch sollten Karaffen immer gefüllt bereitstehen. Wenn das Wasser da ist, greifen wir automatisch zu.

Ein gesunder Lebensstil ist ein Puzzle. Wasser ist ein Teil, Ernährung ein anderer. Wenn du wissen willst, wo du aktuell stehst, mach doch mal meinen kostenlosen Ernährungstest.

Und falls du merkst, dass du neben dem Trinken auch deine Ernährung langfristig in den Griff bekommen willst – ganz ohne erhobenen Zeigefinger – schau dir meinen Meal-Prep-Kurs an. Ein ganzheitlicher Ansatz wirkt oft Wunder.

Übrigens: Weitere Beiträge über gesunde Ernährung, Abnehmen, Fitness und Co. findest du auf fitnessdoc.net!

Das Fazit vom Fitnessdoc

Wasser ist weit mehr als nur ein Durstlöscher. Es ist der Treibstoff für deine Konzentration, ein Puffer gegen Stresshormone und das Schmiermittel für deinen Rücken. Warte nicht auf den Durst - denn dann läuft dein Motor schon auf Reserve.

Deine Aufgabe für heute: Hol dir jetzt ein großes Glas Wasser. Trink es aus. Das ist die einfachste, billigste und effektivste Investition in deine Gesundheit, die du heute tätigen kannst.

Dr. med. Ingo SChmitz-Urban

Arzt | Tätigkeitsschwerpunkt Ernährungsmedizin

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