Viszeralfett: Der unsichtbare Feind in deinem Bauch (und was du tun kannst!)

Beitrag von Dr. med. Ingo Schmitz-Urban, zuletzt aktualisiert am 5. Januar 2026

Beitrag von Dr. med. Ingo Schmitz-Urban, zuletzt aktualisiert am 5. Januar 2026

Wenn die Lieblingsjeans zwickt, ärgern wir uns meist über unser Aussehen. Wir sehen das Röllchen am Bund und denken an die Badesaison oder das nächste Klassentreffen. Aber ich möchte heute gerne Klartext reden: Das Fett, das du von außen greifen kannst, das sogenannte subkutane Fett, ist oft gar nicht dein größtes Problem. Die wahre Gefahr lauert tiefer. Sie versteckt sich unter deinen Bauchmuskeln, umhüllt Leber, Bauchspeicheldrüse und Darm. Die Rede ist vom viszeralen Fettgewebe.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Kein passiver Speicher: Viszerales Fett ist metabolisch hochaktiv und wirkt wie eine eigene Drüse, die entzündungsfördernde Botenstoffe und Hormone aussendet.
  • Gesundheitliche Gefahren: Durch die nahe Lage zu den Bauchorganen können diese Botenstoffe die Organfunktion und Gesundheit negativ beeinflussen.
  • Die Stress-Falle: Das Stresshormon Cortisol ist einer der Hauptfaktoren dafür, dass Fett im Bauchraum und nicht an den Hüften gespeichert wird.
  • TOFI-Phänomen: Auch schlanke Menschen können innerlich verfetten ("Thin Outside, Fat Inside") und tragen das gleiche Risiko wie Übergewichtige.
  • Wie du es selber messen kannst: Dein Bauchumfang ist ein besserer Warnmelder als Waage oder BMI. Ab 94 cm (Männer) bzw. 80 cm (Frauen) besteht Handlungsbedarf.
  • Die Lösung: Eine Kombination aus blutzuckerstabiler Ernährung, gezieltem Kraft-/Intervalltraining und Stressmanagement hilft, .

In der ärztlichen Praxis erlebe ich oft Patienten, die zwar laut BMI "noch okay" sind, aber stoffwechseltechnisch bereits auf der Kippe stehen. So zeigen sich oft erhöhte Cholesterinwerte, ein grenzwertiger Langzeitzucker oder auch ein erhöhter Blutdruck. Warum das so ist und wie diese Werte mit dem Bauchumfang zusammenhängen, das klären wir jetzt.

Was ist viszerales Fett eigentlich?

Machen wir hierfür ein Bild auf: Stell dir dein Körperfett wie Immobilien vor. Es gibt die "günstige Lage" an Oberschenkeln und Po (subkutanes Fett). Das ist zwar optisch vielleicht nicht dein Favorit, aber metabolisch eher träge und harmlos. Es dient primär als Energiespeicher und Wärmeschutz (wenn gleich auch dieses Fettgewebe einen Einfluss auf deinen Stoffwechsel hat).

Daneben gibt es aber auch die "High-Risk-Zone" im Bauchraum. Das viszerale Fett (von lateinisch viscera = Eingeweide) liegt nicht direkt unter der Haut, sondern in der freien Bauchhöhle. Es ummantelt deine inneren Organe.

Das Tückische daran: Viszerales Fett ist kein passiver Energiespeicher. Es verhält sich wie ein eigenständiges Organ. Es produziert aktiv Hormone und Entzündungsbotenstoffe, die deinen gesamten Körper beeinflussen können.

Warum ist das "innere Bauchfett" so gefährlich?

Die Wissenschaft zeigt uns mittlerweile ein erschreckend klares Bild. Viszerales Fett ist eine chemische Fabrik, die rund um die Uhr arbeitet - und das leider gegen uns.

Hier sind die Fakten, die du kennen musst:

  1. Dauerfeuer durch Entzündungen: Viszerales Fett schüttet sogenannte Zytokine aus (z.B. Interleukin-6 und TNF-alpha). Diese sorgen für eine chronische, stille Entzündung im ganzen Körper ("Silent Inflammation"). Das ist ein guter Nährboden für Arteriosklerose (Gefäßverkalkung) und Herzinfarkte.
  2. Die Insulin-Falle: Da dieses Fett direkt an der Pfortader, der direkten Verbindung zur Leber, liegt, flutet es dein Hauptstoffwechselorgan permanent mit Fettsäuren. Die mögliche Folge? Eine Fettleber und eine zunehmende Insulinresistenz - als Vorstufe von Typ-2-Diabetes.
  3. Hormonelles Chaos: Viszerales Fett beeinflusst deine Sättigungshormone. Du hast so häufiger Hunger, obwohl du eigentlich genug gegessen hast - Übergewicht und Adipositas können in diesem Teufelskreis weiter gefördert werden.

Eine Übersichtsarbeit im British Medical Journal (2020) bestätigte drastisch: 10 Zentimeter mehr Bauchumfang (Apfeltyp) erhöht das relative Sterberisiko um etwa 11 %. Besonders spannend war meiner Meinung nach, dass diese Risikoerhöhung unabhängig von Körpergewicht oder BMI war. Umgekehrt sind Fettpolster an Po und Hüften nicht mit einem gesundheitlichen Risiko verbunden - im Gegenteil: Die Sterblickkeit beim so genannten Birnentyp ist sogar geringer.

Die TOFI-Falle

Lass uns an dieser Stelle auch mit einem gefährlichen Irrglauben aufräumen: Nur weil der BMI im grünen Bereich liegt und die Jeans passt, hast du keinen Freifahrtschein für deine Gesundheit. 

In der Medizin nennen wir das TOFI – kurz für „Thin Outside, Fat Inside“.

Stell dir das so vor: Du siehst von außen sportlich aus, aber im Inneren umklammert das viszerale Fett deine Organe wie ein Korsett. Das Tückische daran ist die trügerische Sicherheit. Während Übergewichtige das Problem oft sehen und angehen, wiegen sich „Skinny Fat“-Typen in Sicherheit, während in ihrem Bauchraum bereits die gleichen entzündlichen Prozesse toben wie bei Adipositas-Patienten. Merke dir: Dein Stoffwechsel interessiert sich nicht für deine Konfektionsgröße, sondern für das Milieu in deinem Bauchraum.

Der Stress-Faktor: Warum wir "aus Stress" Bauch ansetzen

Vielleicht hast du dich schon mal gefragt, warum manche Menschen bei Stress abnehmen, während andere genau dann einen Bauch ansetzen? Die Antwort heißt Cortisol.

Wenn du dauerhaft unter Strom stehst, sei es durch den Job, familiären Druck oder Schlafmangel, flutet dein Körper Cortisol an. Dieses Hormon hat eine evolutionäre Aufgabe: Es soll Energie für Kampf oder Flucht bereitstellen. Wird diese Energie nicht verbraucht (weil wir gestresst im Bürostuhl sitzen), sorgt Cortisol dafür, dass die Energie als Fett eingelagert wird - und zwar bevorzugt im viszeralen Bereich, da dort mehr Cortisol-Rezeptoren sitzen. [2]Der Bauch wird in diesem Zusammenhang oft auch als Hormonbauch bezeichnet.

Wenn du das Gefühl hast, dass dein Bauchfett trotz Sport und Diät hartnäckig bleibt, lohnt sich ein Blick auf dein Stresslevel. Mehr dazu und wie du diesen Teufelskreis durchbrichst, habe ich hier für dich zusammengefasst:

Lies hier: Essen aus Stress – Wie du emotionales Essen besiegst

Der Check: Bist du betroffen?

Du brauchst kein teures MRT, um dein Risiko einzuschätzen. Ein einfaches Maßband reicht.

Stell dich aufrecht hin, atme normal aus und miss den Umfang etwa auf Höhe des Bauchnabels (nicht einziehen!).

Die Grenzwerte sind wie folgt [3]:

  • Männer: Ab 94 cm ist das Risiko erhöht, ab 102 cm ist es deutlich erhöht.
  • Frauen: Ab 80 cm ist das Risiko erhöht, ab 88 cm ist es deutlich erhöht.

Liegt dein Wert im roten Bereich? Keine Panik. Wie du bereits weißt, ist viszerales Die gute Nachricht ist: Viszerales Fett ist sehr stoffwechselaktiv. Das macht es zwar gefährlich, bedeutet aber auch, dass es als Erstes abgebaut wird, wenn du die richtigen Hebel in Bewegung setzt.

Noch mehr Details zur Messung und Einordnung findest du in diesem Artikel:

Erfahre mehr: Was ist ein gesunder Bauchumfang?

Die Strategie: So wirst du das viszerale Fett los

Vergiss Crunches. Du kannst viszerales Fett nicht wegtrainieren, indem du isolierte Bauchübungen machst. Wir müssen das Problem ganzheitlich angehen.


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Du kannst viszerales Fett nicht wegtrainieren, indem du isolierte Bauchübungen machst. Wir müssen das Problem ganzheitlich angehen.


DR. MED. INGO SCHMITZ-URBAN

ARZT | TÄTIGKEITSSCHWERPUNKT ERNÄHRUNGSMEDIZIN

Wie kannst du das erreichen? Hier ist dein Schlachtplan:

Ernährung: Insulin runter, Nährstoffe rauf

Zucker und einfache Kohlenhydrate (Weißmehl, Pasta, Süßigkeiten) sind der Treibstoff für viszerales Fett. Sie treiben das Insulin in die Höhe und blockieren die Fettverbrennung.

  • Was du tun solltest: Auf jeden Fall solltest du einfache Zucker (s.o.) reduzieren und auf komplexe Kohlenhydrate setzen. Viele profizieren bei unserer "Carb-lastigen Ernährung" auch von einer moderaten Low-Carb-Ernährung. Iss zu jeder Mahlzeit Protein (Eier, Fisch, Quark, Hülsenfrüchte) - das sättigt und schützt die Muskeln.
  • Geheimtipp Ballaststoffe: Lösliche Ballaststoffe (z.B. aus Leinsamen, Flohsamenschalen oder Gemüse) binden Wasser und bilden ein Gel, das dich lange satt hält und den Insulinspiegel normalisiert.

Du suchst noch nach einem brot-ähnlichen Ersatz, der deinen Blutzucker nicht Achterbahn fahren lässt?

Rezept-Tipp: Mein Low Carb Nussbrot (perfekt für den Start!)

Bewegung: Intensität schlägt Dauer

Stundenlanges Joggen ist okay, aber um das hormonelle Milieu im Bauchraum zu ändern, sind kurze, intensive Reize oft effektiver.

  • Krafttraining: Muskeln sind dein größtes Stoffwechselorgan. Je mehr Muskulatur du hast, desto besser ist deine Insulinsensitivität.
  • HIIT (High Intensity Interval Training): Kurze Belastungsspitzen bringen den Nachbrenneffekt und greifen die viszeralen Reserven effektiv an.

Lifestyle: Priorisiere deinen Schlaf

Es klingt wie ein Märchen, ist aber Physiologie: Wer zu wenig schläft (unter 7 Stunden), hat höhere Ghrelin-Werte (Hungerhormon) und niedrigere Leptin-Werte (Sättigungshormon). Dazu kommt der Cortisol-Anstieg am nächsten Tag. Priorisiere deinen Schlaf genauso wie dein Training!

Tipp: Dieses Abnehm-Programm zahlen die Krankenkassen!

Natürlich hilft ein Kaloriendefizit beim Abnehmen - aber es kann auch zu Stress führen und die Reduktion des Viszeralfetts erschweren! Es ist absolut möglich - und darüber hinaus noch sinnvoll - ohne Hunger abzunehmen. Denn nicht die Menge der zugeführten Nahrung ist entscheidend, sondern die Qualität deiner Ernährung. So kannst du mit der richtigen Auswahl der Lebensmittel sogar mehr essen und trotzdem abnehmen.

Wie du dies genau umsetzt, erfährst du in meinem Online-Programm "Schlank ohne Diät". Hier lernst du nicht nur, wie du deine Ernährung in kleinen Schritten anpassen kannst, um ohne Hunger abzunehmen, sondern erfährst, wie du ganzheitlich endlich deine Gewichtsziele erreichst. Und darüber hinaus erstatten die Krankenkassen dank Zertifizierung sogar bis zu 100% der Teilnahmegebühren!

Du willst mehr dazu wissen? Dann klicke auf den Button und erfahre mehr!

Übrigens: Weitere Beiträge über gesunde Ernährung, Abnehmen, Fitness und Co. findest du auf fitnessdoc.net!

Das Fazit vom Fitnessdoc

Viszerales Fett ist ein ernstzunehmender Gegner, aber er ist nicht unbesiegbar. Im Gegenteil: Dein Körper will dieses stoffwechselaktive Gewebe eigentlich gar nicht horten. Sobald du ihm die richtigen Signale gibst – weniger Zucker, weniger Stress, kluges Training – wird er beginnen, genau diese Depots zu leeren.

Warte nicht auf den "perfekten Moment". Nimm dir heute das Maßband, stell dich der Wahrheit und fang an. Ob mit einem gesunden Low-Carb-Rezept oder einem Spaziergang zum Stressabbau: Jeder Schritt zählt.

Worauf wartest du noch? Deine Gesundheit beginnt in der Körpermitte.

Dr. med. Ingo SChmitz-Urban

Arzt | Tätigkeitsschwerpunkt Ernährungsmedizin

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