dr  medical  Ingo Schmitz-Urban

Beitrag von Dr. med. Ingo Schmitz-Urban, zuletzt aktualisiert am 22. Dezember 2022

Dr. med. Ingo Schmitz-Urban

Beitrag von Dr. med. Ingo Schmitz-Urban, zuletzt aktualisiert am 22. Dezember 2022

Wir alle wissen, dass zu viel Zucker ungesund ist, aber was ist mit Süßstoff? Da das Thema Süßstoffe kontrovers diskutiert wird, kann man fast täglich einen neuen Artikel dazu lesen. Doch was sagt die Studienlage dazu? Können sie schädlich sein oder sind doch sie eine gesunde Wahl? Wer sollte Süßstoffe lieber meiden? All das findest du in diesem Artikel!

Was genau gilt als Süßstoff?

Süßstoffe sind künstlich oder aus Pflanzen hergestellte Substanzen, die keine oder nur sehr wenige Kalorien haben und kein Karies verursachen können.

Süßstoffe unterscheiden sich von den Zuckerersatzstoffen wie z.B. Erythrit, Xylit oder Allulose, die eine ähnliche Süßkraft wie Zucker haben.

Die Süßkraft von Süßstoffen übersteigt die von Zucker um ein Vielfaches: Im Vergleich zur Süße von Haushaltszucker sind Süßstoffe zwischen 30 und 3000 mal süßer.

In der EU sind zurzeit 12 Süßstoffe zugelassen:

  • Acesulfam K (E 950)
  • Aspartam (E 951)
  • Sucralose (E 955)
  • Cyclamat (E 952)
  • Saccharin (E 954)
  • Sucralose (E 955)
  • Thaumatin (E 957)
  • Neohesperidin DC (E 959)
  • Steviolglycoside (E 960)
  • Neotam (E 961)
  • Acesulfam-Aspartamsalz (E 962)
  • Advantam (E 969)

Süßstoffe finden sich oft Light in Produkten wie z.B. Cola Light, sodass die Kalorien solcher Produkte deutlich reduziert werden.

Doch es stellt sich die Frage, ob Süßstoffe gesund sind? Sie Süßstoffe vielleicht sogar schädlich? Gibt es Menschen, die auf Süßungsmittel verzichten sollten?

Sehen wir uns dazu einige Studien und die Auswirkungen auf die Gesundheit an.

Süßstoffe in Light Getränken.

Vorteile von Süßstoffen auf die Gesundheit

Der größte Vorteil von Süßstoffen liegt auf der Hand: Sie sind kalorienfrei und können trotzdem Lebensmitteln einen süßen Geschmack geben. So kann der Zuckerkonsum reduziert werden, der wiederum nachweislich zu Übergewicht, Stoffwechselerkrankungen und Karies führen kann.

Genau diese Probleme können durch Zuckerverzicht und Nutzung von Süßstoffen wirksam bekämpft werden, das konnten bereits zahlreiche Studien zeigen. Doch wie steht es um die Sicherheit, wenn Süßstoffe Teil der Ernährung sind?

Wie sicher sind die Zucker-Alternativen wirklich?

Es gibt nur wenige Süßstoffe, zu denen wirklich viele Studienergebnisse vorliegen, deswegen konzentrieren wir uns in diesem Artikel auf diese vier Süßstoffe:

  • Aspartam
  • Sucralose
  • Acesulfam-K und
  • Saccharin

1. Aspartam

Die Süße von Aspartam ist 300x so hoch wie üblicher Haushaltszucker. Der Zucker-Ersatz wurde in den 70er Jahren zugelassen, da es sich für den menschlichen Verzehr in vielen Labors weltweit als sicher erwiesen hatte.

Dennoch begannen die Menschen, sich Sorgen über die Verwendung von Aspartam zu machen, nachdem Tierstudien einen Zusammenhang zwischen der Exposition von Aspartam und dem Auftreten verschiedener Krebsarten bei Ratten und Mäusen herstellten (1). So traten vermehrt Lymphome, Leukämien und Nierenzelltumore bei dieser Zucker-Alternative auf.

In Studien an Mäusen konnten bei Aspartam vermehrt Krebserkrankungen festgestellt werden.

Einschränkend muss man hier jedoch sagen, dass Ratten und Mäuse Aspartam anders verstoffwechseln als wir Menschen. Insbesondere die Verstoffwechselung von Methanol, ein Nebenprodukt von Aspartam, läuft beim Menschen sehr anders ab (2).

Die U.S. Food and Drug Administration (FDA) hat für die zulässige tägliche Aufnahmemenge für Aspartam auf 50 mg/kg Körpergewicht angegeben - das entspricht umgerechnet dem Konsum von fast 20 Dosen Light Getränken!

Eine recht aktuelle Studie bestätigte erneut den Zusammenhang zwischen Krebserkrankungen bei Nagetieren und Aspartam (3). Das ist kein Beweis, dass es auch beim Menschen so ist, trotzdem sollte man beim Konsum vom diesem Zucker-Ersatz besser zurückhaltend sein und z.B. Light Getränke mit Aspartam meiden. Dazu gehören auch Coca Cola Light und Zero.

Welche Probleme sind bei Aspartam noch bekannt? Möglicherweise könnte das Süßungsmittel Migräne triggern (4). Menschen mit Migräne-Problematik sollten Aspartam daher besser meiden.

Für Menschen, die mit Phenylketonurie (PKU) geboren wurden, einer seltenen genetisch vererbten Krankheit, kann Aspartam besonders problematisch sein. Der künstliche Süßstoff kann zu gefährlichen Konzentrationen der natürlich vorkommenden essentiellen Aminosäure Phenylanin führen. Phenylketonurie-Patienten sollten daher unbedingt Abstand von Aspartam halten.

2. Acesulfam-K

Der Süßstoff Acesulfam-K ist 200x so süß wie normaler Zucker. Dieser Süßstoff kann vom menschlichen Körper nicht verwertet werden und liefert daher keine Kalorien.

Wie sicher ist Acesulfam-K für die Gesundheit? Beim Abbau entsteht Acetoacetamid, was in hohen Dosen für den Körper schädlich sein kann. Eine große aktuelle Übersichtsarbeit kommt jedoch zu dem Schluss, dass Acesulfam-K als sicher gelten kann (5).

3. Sucralose

Sucralose wird häufig in Kombination mit Acesulfam-K in Light Produkten eingesetzt, z.B. in dem Ehrmann Protein-Pudding. Der Süßstoff ist ca. 500x so süß wie normaler Zucker. Interessant: Obwohl Zucker für die Herstellung von Sucralose genutzt wird, erkennt der menschliche Körper sie nicht als Zucker - deswegen hat Sucralose null Kalorien. Tatsächlich wird der Hauptteil der Menge dieser Zucker-Alternative unverändert ausgeschieden.

In menschlichen Studien am Menschen wurden für Sucralose keine nennenswerten gefährlichen Wirkungen festgestellt (6). Genau wie Aspartam haben zahlreiche Studien einen Zusammenhang zwischen Sucralosekonsum und dem Auftreten von Migräne hergestellt (7). Wer mit Migräne zu kämpfen hat, sollte mit Sucralose genauso wie mit Aspartam eher aufpassen.

Süßstoffe können unter Umständen Migräne fördern.

4. Saccharin

Saccharin hat gegenüber Zucker einen ca. 300-500x stärken Süßungsgrad. Von den hier aufgelisteten künstlichen Süßungsmitteln hebt sich Saccharin aufgrund seiner Geschichte ab.

Die FDA wollte es 1977 vom Markt ehmen, nachdem Tierversuche einen Zusammenhang zwischen dem Verzehr von Saccharin und der Entstehung von Blasenkrebs bei Nagetieren nachgewiesen hatten.

Es gibt allerdings nach wie vor keine Studien am Menschen, die einen kausalen Zusammenhang zwischen Saccharin und Krebs beweisen könnten.

Es gibt eine aktuelle Studie, die durch Saccharin bei Nagetieren eine Veränderung der Mikrobioms, d.h. der Darmbakterien oder auch Darmflora, zeigen konnte (8). Es gibt allerdings bis dato keine Studie, die einen negativen Einfluss auf das menschliche Mikrobiom beweisen konnte.

Saccharin wird heutzutage in der Lebensmittelindustrie selten eingesetzt, nicht zuletzt, weil durch die Nagetierstudien dem Süßstoff ein zweifelhafter Ruf anhaftet.

Süßstoffe und Abnehmen

Neben der gesundheitlichen Auswirkungen stellen sich viele die Frage, ob mit Süßungsmitteln wirklich abgenommen werden kann?

Helfen Süßstoffe beim Abnehmen?

Lange Zeit war man unsicher, vermutete sogar einen Art "Mästungseffekt" durch Süßstoffe, da dem Körper die Zufuhr süßer, energiereicher Lebensmittel suggeriert wird, jedoch keine adäquate Kalorienzufuhr erfolgt.

Außerdem vermutete man, dass der Insulin- und Blutzucker-Spiegel durch den Süßstoff stark schwanken könnte.

Helfen also Süßstoffe beim Abnehmen oder sind diese sogar kontraproduktiv?

Die Studienlage ist hier mittlerweile klar: Die Untersuchungen zeigen, dass Menschen, die Süßstoffe anstelle von raffiniertem Zucker verwenden, sowohl ihr Gewicht als auch ihr Körperfett erfolgreich reduzieren können (9). Süßstoffe können also beim Abnehmen helfen!

Das Fazit vom Fitnessdoc

Süßstoffe hatten lange einen zweifelhaften Ruf, vor allem wegen eines möglichen Zusammenhangs mit Krebserkrankungen. Wer Gewicht reduzieren will, für den können Süßstoffe ein Baustein gesunden Abnehmens sein. Trotzdem sollte man es hier nicht übertreiben, sodass man auch langfristig auf der sicheren Seite ist. Vorsichtig sollten aber definitiv Patienten mit Phenylketonurie oder Migräne sein.

Dr. med. Ingo SChmitz-Urban

Arzt und Ernährungsmediziner

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